Eckenberg - Gymnasium Adelsheim  

Ethik und Philosophie

Warum laufen Nasen, während Füße riechen? Was passiert, nachdem man sich 2-mal halbtot gelacht hat? Gibt es in einer Teefabrik auch Kaffeepausen? Ob sich wohl der Schlitten vom Weihnachtsmann Rentiert? Gibt es auch eingefleischte Vegetarier? Darf man in einem Weinkeller auch mal lachen?

Mal ganz ehrlich – haben Sie nicht auch schon mal über die Welt, in der Sie leben, gewundert und Fragen gestellt, auf die Sie spontan keine Antwort gefunden haben? Sind Sie dann ins Grübeln geraten und haben sich Tag und Nacht um die Ohren geschlagen, nur um eine Lösung für ihre Frage zu finden? Herzlichen Glückwunsch – Sie sind ein Philosoph!

„Auch die Heiterkeit und die Leichtigkeit gehört zur Philosophie.“ (Hanns Dieter Hüsch (*1925), dt. Kabarettist u. Protestsänger) – Hätten Sie es gedacht?

Das aus dem griechischen stammende Wort „Philosophie“ kann übersetzt werden mit „Liebe zur Weisheit“. Im Vordergrund steht das Streben der menschlichen Vernunft nach Wahrheit, nach „letzten Gründen“, insbesondere auch das Fragen nach der Stellung des Menschen in der Welt. Im Gegensatz zu den Einzelwissenschaften, die sich jeweils auf Teilausschnitte der Wirklichkeit beschränken, ist die Philosophie Universalwissenschaft. Sie lässt sich nicht auf einen bestimmten Gegenstandsbereich festlegen und vermittelt kein Lehrbuchwissen.Da die Frage nach dem Sinn des Lebens für den einzelnen Menschen entscheidend ist, erweist sich die Philosophie immer wieder als eine nicht fortzudenkende Lebenserscheinung des Menschen.

Ein Teilbereich der Philosophie ist die Ethik. Hey, Ethik, ist das nicht ein Schulfach? Ja - seit 1983 ist Ethik ein ordentliches Fach an weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg und ab Klasse 7 verpflichtend für alle SchülerInnen, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen.

Auch am EBG wird der Ethikunterricht durchgehend von Klasse 7 bis Klasse 12 angeboten und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Und was macht man nun im Ethikunterricht? Im Bildungsplan heißt es wie folgt: „Ziel des Ethikunterrichts ist die Entwicklung eines ethischen Problem- und Wertebewusstseins. Dadurch sollen die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, in einer immer unübersichtlicheren Welt Wege zu finden ihr eigenes Leben lebenswert zu gestalten. Es werden Grundlagen für eine wertorientierte Lebensgestaltung, Kenntnisse von verschiedenen Weltbildern, Religionen sowie Sinn- und Wertvorstellungen vermittelt.“

Konkret heißt das, wir beschäftigen uns, je nach Klassenstufe, mit Themenbereichen, die unmittelbar mit der Kant‘schen Frage „Was soll ich tun?“ einher gehen. Wer bin ich? Was ist Glück? Was ist Freiheit? Was ist Liebe? Was ist Religion? Was ist das Böse? Was ist Verantwortung? Was ist der Mensch? – sind nur einige Fragen, auf die versucht wird, eine Antwort zu finden. Dass das nicht immer gelingt, muss jedem klar sein, aber der Ethikunterricht kann Anregungen und Meinungen geben, um der Antwort ein wenig näher zu kommen. Außerdem fördert er die Argumentations- und Kommunikationsfähigkeiten der SchülerInnen, da oft moralische Fragen in Form von Dilemmata in Debatten, Rollenspielen oder Diskussionen besprochen und aus verschiedenen philosophischen Sichten ausgewertet werden. Kostprobe gefällig? Hier ein Dilemma von Judith Jarvis Thomson, einer amerikanischen Moralphilosophin.

Ein Zug rollt auf eine Gruppe von 5 Arbeitern zu, die nichts davon wissen und auch nicht gewarnt werden können. Sie würden alle sterben.

Das Gleis besitzt eine Weiche, die können Sie umstellen, der Zug würde auf ein anderes Gleis rollen. Da sind nur zwei Arbeiter.
Über das Gleis führt eine Brücke. Darauf steht ein dicker Mann. Wenn der auf die Gleise gestoßen wird, wird keiner der Arbeiter sterben. Aber der dicke Mann.

Wie würden Sie entscheiden? Und vor allem: warum? Konkret geht es also um die Frage: Wie viel wiegt moralisch das Sterbenlassen vieler Personen gegen das (aktive) Töten einzelner?

Während Sie noch über das Dilemma grübeln, fragen wir uns, wo denn jetzt die Philosophie am EBG zu finden ist? Nun ja – eigentlich überall da, wo Sinnfragen gestellt werden – und das lässt sich nicht kontrollieren. Aber es gibt auch konkrete Angebote.

Philosophie kann für interessierte SchülerInnen in der Jahrgangsstufe als einjähriges Wahlfach gewählt werden. Der Fokus im Wahlfach liegt auf einem Überblick zur Philosophiegeschichte beginnend in der Antike bis zur Gegenwart sowie der Auseinandersetzung mit der Frage: „Was kann ich wissen?“ Namen wie Platon, Aristoteles, Cusanus, Locke, Kant und Wittgenstein sind nach diesem Jahr kein Schall und Rauch mehr. Auch lassen einen erkenntnistheoretische Fragen wie: Was ist Wirklichkeit? Was ist wirklich wahr? Täuschen uns unsere Sinne? und Wie erlange ich Erkenntnis? nicht mehr los – oder leben wir doch in der Matrix? Bzw. haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, ob der Raum noch da ist, wenn sie ihn durch die Tür verlassen und diese schließen? – Woher wissen Sie das?

Im Schuljahr 2014/15 hat der Philosophiekurs ein neues Projekt angestoßen, um Philosophie und philosophisches Denken mehr in das Schulleben zu integrieren. Alle zwei Monate wird ein neues philosophisches Problem im Schaukasten neben dem Computerraum präsentiert. Alle SchülerInnen können per Fragebogen ihre Meinung zu diesem kundtun. Die Auswertung und philosophische Grundlegung wir dann vom Philosophiekurs präsentiert.

 

Denkwerkstatt

Sie sehen: Ethik und Philosophie sind überall. Oder um es mit den Worten von Michel Foucault (1926 - 1984) zu sagen:

„Philosophie ist eine Bewegung, mit deren Hilfe man sich, nicht ohne Anstrengung und Zögern, nicht ohne Träumen und Illusionen, von dem freimacht, was für wahr gilt, und nach anderen Spielregeln sucht.“

 

Nadine Lindner

June 2017
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